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Neue Studie zu Feuerwehrkrebs und Hirntumoren

vor 4 Tagen
3 Min. Lesezeit

Forschende der Universität von Kalifornien fanden molekulare Spuren toxischer Exposition in Gliomen von Feuerwehrleuten.

Glioma research paper - AI generated


Über unseren fachlichen Austausch mit der AUVA wurde uns kürzlich eine Studie zur Verfügung gestellt, die für Feuerwehren von hoher Relevanz ist. Derartige Hinweise aus der Präventionspraxis sind besonders wertvoll, weil sie wissenschaftliche Erkenntnisse direkt mit realen Fragen des Arbeitsschutzes verbinden.


Die Studie beschäftigt sich mit einem Thema, das im Feuerwehrbereich zunehmend an Bedeutung gewinnt: möglichen Zusammenhängen zwischen beruflicher Schadstoffexposition im Einsatzdienst und bestimmten Krebserkrankungen. Konkret geht es um Gliome – also Tumore des Gehirns oder Rückenmarks – und um molekulare Spuren, die auf chemische Expositionen hinweisen.


Untersuchung von Mutationssignaturen

Die Studie „Glioma mutational signatures associated with haloalkane exposure are enriched in firefighters“ wurde 2025 im Fachjournal Cancer veröffentlicht. Die Forschenden an der University of California analysierten Tumor- und Blutproben von 35 Personen im Rahmen der San Francisco Adult Glioma Study. Darunter waren 17 Personen mit dokumentierter beruflicher Feuerwehrtätigkeit und 18 Personen ohne Feuerwehrhintergrund.


Untersucht wurden sogenannte Mutationssignaturen. Vereinfacht gesagt sind das molekulare Muster im Erbgut eines Tumors. Sie zeigen nicht nur, dass Mutationen vorhanden sind, sondern geben Hinweise darauf, durch welche Prozesse oder Expositionen diese Mutationen entstanden sein könnten.


Im Fokus stand die Mutationssignatur SBS42. Diese Signatur wird mit Haloalkan-Exposition in Verbindung gebracht. Haloalkane sind chemische Verbindungen, die unter anderem in industriellen Anwendungen sowie in Flammschutz- und Feuerlöschmitteln vorkommen – und damit für Feuerwehren besonders relevant sind.


Feuerwehrkrebs: Zentrale Ergebnisse

Infographic Glioma - AI generated

Die Studie fand bei 13 von 35 untersuchten Tumorproben Mutationen, die zumindest teilweise der SBS42-Signatur zugeordnet werden konnten.


Bei den Feuerwehrleuten zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Zahl der Feuerwehrdienstjahre und der Anzahl jener Mutationen, die der SBS42-Signatur zugerechnet wurden. Nach Ausschluss zweier Personen mit weiteren möglichen Haloalkan-Expositionen war dieser Zusammenhang statistisch signifikant: p = 0,04, R² = 0,29.


Auch bei Personen ohne Feuerwehrhintergrund traten erhöhte SBS42-Werte auf. Diese Personen hatten jedoch ebenfalls berufliche Tätigkeiten, bei denen eine mögliche Haloalkan-Exposition plausibel ist – etwa Lackieren oder mechanische Arbeiten.


Das ist wissenschaftlich interessant, weil die Erkenntnisse über epidemiologische Beobachtungen hinausgehen und die Risiken konkretisieren. Die Studie betrachtet nicht nur, ob bestimmte Erkrankungen bei Feuerwehrleuten häufiger auftreten, sondern untersucht molekulare Mutationsmuster direkt im Tumorgewebe. Dadurch entsteht eine zusätzliche Ebene der Bewertung: Hinweise auf mögliche chemische Expositionen lassen sich nicht nur statistisch, sondern auch biologisch im untersuchten Gewebe einordnen.


Einordnung für den Feuerwehrdienst

Feuerwehrkrebs - Glioma - AI generated

Der Ausgangspunkt ist bereits eindeutig: Die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO hat berufliche Exposition im Feuerwehrdienst als krebserregend eingestuft. Besonders klar belegt ist der Zusammenhang bisher für Mesotheliome und Blasenkrebs; begrenzte Evidenz gibt es unter anderem für Darm-, Prostata- und Hodenkrebs, Hautmelanome sowie Non-Hodgkin-Lymphome.


Die neue Gliom-Studie erweitert dieses Bild. Sie liefert einen Zusammenhang mit einer weiteren Krebsart und zeigt zugleich eine molekularbiologische Spur im Tumorgewebe selbst. Damit geht die Untersuchung über Häufigkeitsvergleiche hinaus: Sie zeigt, wie Schadstoffexpositionen im Feuerwehrdienst biologische Spuren hinterlassen, die sich direkt nachvollziehen lassen.


Für Verantwortliche im Feuerwehrwesen steigt damit weiter der Handlungsdruck. Denn wer diese Erkenntnisse dauerhaft ignoriert, setzt sich rechtlich und ethisch dem Vorwurf aus, bekannte Gefährdungen der eigenen Einsatzkräfte nicht ausreichend ernst zu nehmen.


Dekontamination als Teil moderner Einsatznachsorge

Für die Praxis bedeutet das: Feuerwehrhygiene darf nicht bei der sichtbaren Verschmutzung enden. Ruß an der Jacke, Rauchgeruch im Fahrzeug oder Rückstände auf Ausrüstung sind nicht nur unangenehm, sondern mögliche Hinweise auf eine Expositionskette, die konsequent unterbrochen werden muss. Moderne Einsatzhygiene bedeutet, kontaminierte Bereiche, Ausrüstung und PSA bewusst zu behandeln, Verschleppung zu vermeiden und die Belastung der Einsatzkräfte so weit wie möglich zu reduzieren. Wie dies beispielsweise bei Berufsgruppen mit Strahlenbelastungen völlig selbstverständlich ist.


Hier setzt die professionelle Dekontamination mit Oxy3 an. Persönliche Schutzausrüstung, Einsatzmaterial und Fahrzeuginnenräume müssen so behandelt werden, dass Schadstoffverschleppung reduziert und die gesundheitliche Belastung für Einsatzkräfte minimiert wird.


Dekontamination von PSA - Feuerwehr

Oxy3 wurde speziell für den Feuerwehrbereich entwickelt: zur Behandlung und Dekontamination von persönlicher Schutzausrüstung, Ausrüstungsgegenständen, Einsatzmaterialien und Innenräumen von Einsatzfahrzeugen. Der Fokus liegt auf dem Abbau von Schadstoffen, insbesondere krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAKs, sowie auf der Beseitigung unangenehmer Gerüche.


Feuerwehrhygiene neu denken

Feuerwehrhygine neu denken - Infoprafik - AI generated

Je mehr die Wissenschaft über Krebsrisiken im Feuerwehrdienst herausfindet, desto klarer wird der Zusammenhang zwischen Einsatzexposition und Gesundheitsgefährdung. Die Gefahr liegt darin, dass diese Belastung im Gegensatz zu vielen unmittelbaren Risiken des Feuerwehrdienstes nicht sichtbar ist. Hitze, Rauch, Einsturzgefahr oder Atemnot sind direkt spürbar – kontaminierte PSA, belastete Ausrüstung und Schadstoffverschleppung wirken oft erst über Jahre.


Deshalb benötigt Dekontamination ein neues und präventives Denken. Wer erst reagiert, wenn gesundheitliche Folgen sichtbar werden, reagiert zu spät. Moderne Feuerwehrhygiene bedeutet, Expositionen konsequent zu reduzieren, bevor sie zum Problem werden – alles andere kostet mittelfristig Menschenleben.


Quelle:

Cannataro VL et al. „Glioma mutational signatures associated with haloalkane exposure are enriched in firefighters“, Cancer, 2025. DOI: 10.1002/cncr.35732.



 
 
 

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