Grossbrand Munderloh – Was vom Feuer übrigbleibt
- Daniel Puschnig

- 7. Mai
- 3 Min. Lesezeit
100 Tonnen Brandlast, 1,5 Millionen m³ Rauchgas. Der Einsatz in Munderloh zeigt, warum Feuerwehrschutz nach dem Löschen weitergehen muss.

Am 16. Mai 2025 kam es im Gewerbepark Munderloh in der Gemeinde Hatten zu einem Großbrand auf dem Gelände eines Autoverwertungs- bzw. Recyclingbetriebs. Die Kreisfeuerwehr Landkreis Oldenburg hat uns freundlicherweise eine Präsentation mit detaillierten Einsatzdaten zur Verfügung gestellt.
Dieser Brand ist ein starkes Beispiel für ein Thema, das im Feuerwehrwesen immer wichtiger wird: Brandrauch, Schadstoffe, kontaminierte Ausrüstung, Einsatzhygiene und Folgekosten nach dem Löscheinsatz.
Was ist passiert?

Das Feuer brach gegen 22:00 Uhr aus. Beim Eintreffen der ersten Kräfte standen bereits mehrere Fahrzeuge in Vollbrand. Der Brand breitete sich rasch auf gelagerten Schrott aus und griff tief in das Gelände über.
Die Rauchsäule war bis nach Bremen sichtbar. Wegen Rauchentwicklung und Ascheregen wurde die Bevölkerung über MoWaS, Cell Broadcast – und Lautsprecherwagen gewarnt: Ein beschädigter Telekommunikationsmast auf dem Gelände drohte auf die nahe Autobahn zu stürzen und führte zu Einschränkungen im Mobilfunknetz.
Die interne Einsatzübersicht nennt für die Brandbekämpfung insgesamt 885 Einsatzkräfte und 158 Fahrzeuge im Einsatz.
Rauch, Gefahrstoffe und Löschwasser
In ihrer hervorragenden Nachbereitung geht die Kreisfeuerwehr Landkreis Oldenburg von rund 400 PKW auf 11.000 m² Fläche und 200 bis 250 kg brennbarer Masse pro Pkw aus, also rund 100 Tonnen brennbarem Material. Die berechnete Gesamtbrandlast lag bei 3.200 bis 4.000 Gigajoule, das entspricht grob der Energie von 125.000 Litern Benzin.
Für die Rauchgasproduktion setzt die Präsentation 10 bis 15 m³ Rauchgas pro kg Brennstoff an. Daraus ergeben sich bei 100 Tonnen Brennstoff etwa 1,3 bis 1,5 Millionen m³ Rauchgas. Zum Vergleich: Das entspricht dem Volumen von rund 26 bis 30 großen Industriehallen mit 100 × 50 × 10 Metern.
Noch relevanter sind die geschätzten Gefahrstoffmengen. Diese zeigen die Größenordnung der chemischen Belastung, mit der Einsatzkräfte und Ausrüstung konfrontiert waren:
Kohlendioxid CO₂ | 280 bis 300 Tonnen | zeigt die enorme Verbrennungsmenge |
Kohlenmonoxid CO | 8 bis 10 Tonnen | hochgiftig, blockiert Sauerstoffaufnahme im Blut |
Flüchtige organische Verbindungen (VOC) | 8 bis 10 Tonnen | reizend, toxisch oder krebserzeugend |
Ruß / Feinstaub | 3 bis 5 Tonnen | kritisch, weil Schadstoffe an Partikeln und diese an Oberflächen haften |
Chlorwasserstoff (HCl) | 1,5 bis 2,5 Tonnen | etwa aus PVC-Anteilen – bildet mit Feuchtigkeit Salzsäure, wirkt reizend und korrosiv |
Hochgiftige Schwermetalle, PAK, Dioxine und Furane | Im Kilogramm-Bereich | Toxikologisch besonders relevant. Insbesondere PAK gelten als krebserzeugend |
Auch der Löschwasserbedarf war enorm. Eingesetzt wurden unter anderem 2 Großtankfahrzeuge (GTF) mit ca. 10.000 Litern, 4 Tanklöschfahrzeuge (TLF) mit ca. 4.000 Litern sowie 6 landwirtschaftliche Transportfahrzeuge. Es wurden bis zu 8.000 Liter pro Minute gepumpt, der geschätzte Gesamtverbrauch lag bei 16.000 m³ – das entspricht 1.600 GTF-Ladungen.
Was vom Feuer bleibt: PSA, Material und Kosten
Nach dem Löschen beginnen Reinigung, Prüfung, Aussonderung und Ersatzbeschaffung. Besonders deutlich wird das bei der persönlichen Schutzausrüstung: Laut Präsentation lagen die unmittelbaren Folgekosten allein für PSA-Reinigung und -Ersatzbeschaffung bei 52.000 Euro – davon 10.000 Euro Reinigungskosten und 42.000 Euro Ersatzbeschaffung. Dazu kamen ausgesonderte Schläuche mit 16.000 Euro, Ausrüstung wie Strahlrohre und Einreißhaken mit 9.500 Euro, Atemschutz-Aufbereitung mit 5.000 Euro und externe Fahrzeugreinigung mit 15.000 Euro. Ob die Fahrzeuge intern dekontaminiert wurden, ist unklar. Zusammen ergibt das 97.500 Euro – ohne Kosten für Schaummittel, Einsatzstunden, langfristige Gesundheitskosten und organisatorische Ausfälle.
Welche Ausrüstung durch zusätzliche Dekontamination erhalten geblieben wäre, lässt sich im Nachhinein nicht exakt berechnen. Klar ist aber: Bei dokumentierter massiver Schadstoffexposition und 52.000 Euro allein für PSA-Reinigung und PSA-Ersatzbeschaffung spricht alles für die Anschaffung eigener Dekontaminationstechnologie – als Investition in geringere Folgekosten, mehr Unabhängigkeit und besseren Langzeitschutz für Einsatzkräfte.
Die Feuerwehrkräfte in Munderloh haben unter massiver Gefahr und Rauchgasbelastung gearbeitet. Wer seine Gesundheit derart für andere riskiert, darf erwarten, dass mit gleichem Ernst in den eigenen Langzeitschutz investiert wird.
Quellen / weiterführende Informationen:
Kreisfeuerwehr Oldenburg – Erstmeldung Großbrand Schrottplatz Hatten/Munderloh
Kreisfeuerwehr Oldenburg – 07:00 Uhr Update
Kreisfeuerwehr Oldenburg – Abschlussbericht zum Großbrand
Polizei Delmenhorst / Oldenburg-Land / Wesermarsch – Großbrand Recyclingfirma, A28, Funkmast
Polizei Delmenhorst / Oldenburg-Land / Wesermarsch – Schaden mehrere Millionen Euro
Gemeinde Hatten – Informationen zum Brand in der Gemeinde Hatten
DLRG Wildeshausen – Unterstützung Feuerwehr bei Großbrand / Warnung der Bevölkerung
https://wildeshausen.dlrg.de/einsatztagebuch/unterstuetzung-feuerwehr-bei-grossbrand-52200-e/
Feuerwehr Hude – Recycling-Hof brennt
https://www.feuerwehr-hude.de/2025/05/17/recycling-hof-brennt/



















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