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Feuerwehrhygiene braucht bessere Rahmenbedingungen

3. Sept.
3 Min. Lesezeit

Warum Feuerwehrhygiene trotz messbarer Schadstoffbelastung oft zu kurz kommt - und was sich organisatorisch ändern muss.


Durch unsere Arbeit mit Feuerwehren haben wir in den vergangenen Jahren zahlreiche Standorte in Österreich besucht. Unser Eindruck: Dekontamination hat im Einsatzalltag noch nicht überall den Stellenwert, den das Thema eigentlich bräuchte.


Nach einem Brand müssen Fahrzeuge und Geräte wieder einsatzbereit gemacht, Atemschutz versorgt und unzählige weitere Arbeiten erledigt werden. Dazu kommen Zeitdruck, körperliche Belastung und Erschöpfung. Gerade bei freiwilligen Feuerwehren wartet danach oft noch der normale Berufs- und Familienalltag. Unter diesen Bedingungen schreckt der Aufwand für konsequente Dekontamination oft ab.


Wie leicht Brandrückstände verschleppt werden, erleben wir regelmäßig selbst: Nach einem Besuch bei einer Feuerwehr riecht die Kleidung intensiv nach Rauch. Dies demonstriert eindrücklich, dass Verbrennungsprodukte den eigentlichen Brandort längst verlassen haben und verschleppt werden.

Doch wir sind nur Besucher. Die eigentliche Frage lautet: Wie sieht eigentlich die Schadstoffbelastung von Feuerwehrleuten aus?


Eine Brandübung - messbare PAK-Aufnahme

Koslitz et al. untersuchten 2023 neun Feuerwehrleute bei realitätsnahen Flashover-Übungen in einer Brandübungsanlage.


Alle Teilnehmer trugen vollständige PSA und Pressluftatmer. Vor der Übung sowie etwa zwei, sechs und 14 Stunden danach wurden Urinproben genommen. Gemessen wurde 1-Hydroxypyren (1-OHP), ein etablierter Biomarker für die Aufnahme polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe, kurz PAK.


Die Ergebnisse:

PAK-Aufnahme nach einer Brandübung

Die mittlere Konzentration stieg damit nach der Übung zeitweise auf ungefähr das Fünffache des Ausgangswerts. Der höchste gemessene Einzelwert betrug 5,31 µg/L.


Bei fünf der neun Feuerwehrleute lagen die kreatininbereinigten Werte nach der Übung über den jeweiligen Referenzwerten für die Allgemeinbevölkerung, teilweise bis zum Achtfachen. Bei zwei Nichtrauchern wurde auch der in der Studie herangezogene Biological Exposure Index von 2,5 µg/L überschritten.


Die Autoren kommen zu einem klaren Ergebnis: Trotz vollständiger PSA und Atemschutz war nach der Brandübung eine zusätzliche Aufnahme von PAK messbar.


Gesundheitliche Auswirkungen von PAK-Belastung

Feuerwehrmann PAKs belastet

PAK entstehen bei unvollständiger Verbrennung. Einige Vertreter dieser Stoffgruppe sind krebserzeugend. Eine einzelne erhöhte Messung bedeutet selbstverständlich nicht, dass daraus eine Erkrankung entsteht. Feuerwehrleute sind solchen Belastungen aber nicht nur einmal in ihrem Leben ausgesetzt.


Die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC stuft die berufliche Exposition als Feuerwehrkraft seit 2022 als krebserzeugend für Menschen, Gruppe 1, ein. Für Mesotheliom und Blasenkrebs sieht die IARC ausreichende Evidenz.


PAK sind dabei nur ein Teil der möglichen Exposition. Brandrauch kann zahlreiche weitere problematische Stoffe enthalten.


Damit ist die entscheidende Frage nicht, ob Dekontamination sinnvoll ist. Die Frage ist, wie sie im Feuerwehralltag tatsächlich funktionieren soll.


Das Problem darf nicht beim einzelnen Feuerwehrmann landen

Bei Gesprächen mit Einsatzkräften fällt immer wieder auf, dass das Thema Feuerwehrhygiene teilweise negativ besetzt ist. Das ist nachvollziehbar.

Denn zu oft wird die Verantwortung auf den Einzelnen verschoben: besser aufpassen, sauberer arbeiten, schneller umziehen, gründlicher reinigen. Am Ende bleibt vor allem eines hängen: ein schlechtes Gewissen, welches zur Aversion gegenüber dem Thema führt.


Aber wenn Feuerwehrleute konsequent mit kontaminierter PSA und Ausrüstung umgehen sollen, müssen zunächst einmal geeignete Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Unsere Forderung ist deshalb nicht mehr Eigenverantwortung, sondern bessere Rahmenbedingungen für Einsatzhygiene in Österreich.

Konkret bedeutet das:

Einsatzhygiene braucht Rahmenbedingungen
  • Feuerwehrhäuser entsprechend planen und nachrüsten. Schwarz- und Weißbereiche müssen baulich und organisatorisch getrennt werden können. Kontaminierte PSA darf nicht zwangsläufig durch saubere Bereiche wandern.

  • Zeit für Dekontamination bereitstellen. Die Nachbereitung eines Einsatzes endet nicht mit der Wiederherstellung der technischen Einsatzbereitschaft. Der Umgang mit kontaminierter PSA und Ausrüstung braucht eigene zeitliche und personelle Ressourcen.

  • Hintergründe vermitteln. Feuerwehrleute müssen wissen, welche Stoffe bei Bränden entstehen können, wie sie verschleppt werden und über welche Wege sie in den Körper gelangen können.

  • Dekontamination praktisch trainieren. Ablegen, Trennen, Verpacken, Transportieren, Reinigen, Dekontaminieren und Lagern müssen eingeübte Abläufe sein und dürfen nicht erst nach dem Einsatz improvisiert werden.

  • Klare Zuständigkeiten schaffen. Wer macht was, wann und womit? Diese Fragen müssen vor dem Einsatz beantwortet sein.

  • Effiziente Technik bereitstellen. Verfahren müssen sich realistisch in den Feuerwehralltag integrieren lassen. Wenn Dekontamination kompliziert, langsam oder personalintensiv ist, wird sie unter Zeitdruck zwangsläufig verlieren.


Die Motivation zur Entwicklung unseres Oxy3 Dekontaminationssystems war es, unseren Beitrag zur technischen Lösung des Problems zu liefern. Ohne die Notwendigkeit baulicher Maßnahmen, schnell verfügbar, einfach anwendbar und nachweislich hochwirksam. Es wurde für die Behandlung geeigneter PSA, Ausrüstungsgegenstände, Einsatzmaterialien und Fahrzeuginnenräume entwickelt und zielt insbesondere auf den Abbau von PAK. Die notwendige Vorreinigung beziehungsweise Wäsche ersetzt es nicht, sondern ergänzt sie um einen Dekontaminationsschritt.

Aber auch die Technik kann das Problem nicht allein lösen: Wenn wir die Schadstoffbelastung von Feuerwehrleuten ernst nehmen, müssen wir dafür sorgen, dass konsequente Dekontamination praktisch möglich, zeitlich vorgesehen und organisatorisch selbstverständlich wird.


Quelle: Koslitz S. et al. (2023), Biomonitoring of polycyclic aromatic hydrocarbons in firefighters at fire training facilities and in employees at respiratory protection and hose workshops, Frontiers in Public Health 11, 1277812. DOI: 10.3389/fpubh.2023.1277812.


Bilder & Grafiken erstellt mit Herz, Verstand und KI-Unterstützung.



 
 
 

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